Arzt Diagnose Haarausfall
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Wie stellt der Hautarzt die Diagnose Haarausfall?

Wie stellt der Hautarzt die Diagnose Haarausfall? Egal ob Kopfhautinspektion, Zupftest, Haar-Reibetest, Blutuntersuchung oder Trichogramm: wir stellen Ihnen alle Untersuchungsmethoden vor, mit denen Haarausfall diagnostiziert werden kann.

Wenn Männer und Frauen immer öfter viele Haare verlieren, kann es sich schon um Effluvium (vermehrten Haarausfall) handeln. Zeigen sich allerdings bereits kahle Stellen auf dem Kopf, die sich nicht wieder auffüllen, handelt es sich wahrscheinlich um eine Alopezie, also permanenten, sichtbaren Haarausfall. Mediziner geben hierfür eine Faustregel vor, mit der Betroffene überdurchschnittlichen Haarverlust einordnen können: Verlieren Betroffene dauerhaft über einhundert Haare pro Tag und wachsen nicht regelmäßig Haare nach, kann von Haarausfall gesprochen werden. In diesem Fall ist es ratsam, den Hautarzt aufzusuchen, der nach Ermittlung der Ursachen die Diagnose Haarausfall stellt und eine entsprechende Therapie einleiten kann.

TIPP: Um den eigenen Haarausfall-Typ zu bestimmen und passende Haarwuchsmittel zu ermitteln, bieten wir Ihnen einen Online Haarausfall Test.

Das Gespräch beim Hautarzt für die Diagnose Haarausfall

Menschen sorgen sich oft, wenn nach der Haarwäsche in Dusche oder Waschbecken zahlreiche Haare zurückbleiben. Allerdings wirken dicke, lange Haare oft wie ganze Büschel. Zudem gehen bei einer Haarwäsche pro Woche mehr Haare verloren, als bei einer täglichen Haarwäsche. Aus diesen Gründen sollten Betroffene ihre individuellen Pflegegewohnheiten berücksichtigen und ihren vermehrten Haarverlust so weit wie möglich objektiv einschätzen.

Leiden Sie unter verstärktem Haarverlust, sollten Sie Ihren Hausarzt konsultieren. Dieser erfasst zunächst in einem Gespräch die Krankengeschichte der Patienten und erfragt den exakten Verlauf und die Dauer des Haarausfalls, um die Ursache zu ermitteln. Des Weiteren erkundigt sich der Arzt nach besonderen Ereignissen in den letzten Monaten wie zum Beispiel Infekte oder andere Erkrankungen, die ebenfalls als Ursache für Haarausfall verantwortlich sein können.

Mögliche Fragen, um die Diagnose Haarausfall zu stellen, sind unter anderem:

– Wann ist Ihnen aufgefallen, dass deutlich mehr Haare ausfallen?

– Hat sich der Zustand seitdem geändert? Sind es jetzt weniger, gleich viele oder mehr Haare, die ausfallen?

– Haben Sie auch andere Beschwerden festgestellt, beispielsweise an Ihrem Hautbild?

– Haben Sie das Gefühl, dass der Haarausfall an verschiedenen Stellen unterschiedlich ist?

– Welche Medikamente haben Sie in den letzten sechs Monaten eingenommen?

– Bei Frauen: Wurde im Verlauf der vergangenen Monate die Pille erstmals eingenommen oder die bisherige Verhütung unterbrochen?

– Wie ernähren sich die Patienten?

Auskünfte zu eventuell erblicher Veranlagung für Haarausfall (Androgenetische Alopezie) oder verwendeten Pflegemitteln und Pflegehäufigkeit können für die exakte Diagnose Haarausfall ebenfalls sehr hilfreich sein. Bei Frauen werden zudem üblicherweise Fragen zu potentiellen Schwangerschaften, Zyklus-Unregelmäßigkeiten und Wechseljahren gestellt, da diese häufig zu diffusem Haarausfall führen.

Unterschiedliche Untersuchungsmethoden bei der Diagnose Haarausfall

Im Rahmen einer klinischen Untersuchung prüft der Mediziner den ganzen Kopf auf Menge und Struktur der Haare. Zudem sichtet der Arzt den Haaransatz, die Kopfhaut an sich und wie die einzelnen Haare der Patienten noch verankert sind. Für Letztere wird ein Zupf-Test (Pull-Test) genutzt. Weiterhin kann ein spezielles Vergrößerungs-Instrument (Dermatoskop) über den Zustand der Kopfhaut Auskunft geben. Diese Tests geben Aufschluss über die jeweils individuelle Form von Haarausfall.

Bei manchen Patienten kann es für die Diagnose Haarausfall zudem sinnvoll sein, wenn einige Haare und deren Wurzeln per mikroskopischer Analyse (Trichogramm) untersucht werden. Durch einen Laborbefund kann den Verdacht auf Haarausfall bestätigen/untermauern, falls sich ergibt, dass zum Beispiel Eisenmangel oder eine gestörte Schilddrüse vorliegt.

Wie der Mediziner die Diagnose Haarausfall stellt

Um die richtige Diagnose zu erhalten, kann der Arzt, je nach Schwere des Haarausfalls, unterschiedliche Verfahren anwenden:

• Haarscheitelung und/oder Kopfhautinspektion

• Epilations- oder Zupftest

• Durchstreifung der Kopfhaare

• Haar-Reibetest

• Blutuntersuchung

• Trichogramm

• Tricho-Scan-Verfahren

• Kopfhaut-Biopsie

Die zur Diagnose Haarausfall führenden Untersuchungsmethoden im Einzelnen

Im folgenden stellen wir Ihnen die einzelnen Untersuchungen vor, mit denen der Arzt die Diagnose Haarausfall stellen kann:

Haarscheitelung und/oder Kopfhautinspektion

Hierbei untersucht der Mediziner die Haare der Patienten meistens mithilfe einer äußerst hellen Lampe. Dabei wird die Kopfhaut, Haardichte sowie die Struktur der Haare überprüft. Je nachdem welche Art Haarausfall oder Erkrankung der Kopfhaut vorliegt, wird die gesamte Haut des Körpers untersucht. Die auffälligen Bereiche werden dabei mittels Auflichtmikroskop begutachtet. Des Weiteren kann die Überprüfung der Körperbehaarung bei manchen Haarausfall-Arten hilfreich sein.

Epilationstest bzw. Zupftest

Bei dieser Untersuchung greift der Mediziner in den Haarschopf der Betroffenen und versucht, die Haare mittels sanftem Ruck herauszuziehen. Dies wird an unterschiedlichen Stellen durchgeführt, um zu klären, ob sich die Haare leicht lösen lassen. Dadurch lässt sich grob bestimmen, wie schwer der Haarausfall ist. Die Ursache kann auf diese Weise nicht festgestellt werden. Achtung: Diese Tests dienen nur der groben Einschätzung! Der Arzt wird anschließend weiterführende Tests vornehmen, um die Art Haarausfall letztendlich genau zu bestimmen.

Durchstreifung der Kopfhaare

Hierdurch können lose Telogenhaare für die Diagnose Haarausfall nachgewiesen werden. Diese Haare ruhen und fallen anschließend aus (Haarwachstumszyklus). Der Mediziner fasst bei diesem Test mithilfe gespreizter Finger gegen die Wuchsrichtung in den Haarschopf, schließt die Finger und zieht an den Haaren langsam in Wuchsrichtung. Bleiben an seinen Fingern mehr als fünf und zehn Haare hängen, kann verstärkter Haarausfall vorliegen.

Haar-Reibetest

Hierfür zerreibt der Haarexperte mehrere Haare zwischen seinen Fingern. Dabei wird festgestellt, ob die Haare leicht brüchig sind und somit eventuell Haarstrukturschäden vorliegen. Besteht eine erhöhte Brüchigkeit der Haare, führt der Arzt weitere Untersuchungen durch, um die Ursache des Haarausfalls bestimmen zu können.

Blutuntersuchung

Bestimmte Erkrankungen und Medikamente sowie Mangelzustände können die Ursache für diffusen Haarausfall sein. Deshalb wird den Patienten eine Blutprobe abgenommen und unter anderem auf Eisen- und Schilddrüsenwerte untersucht. Liegt der Befund vor, können Mängel oder Erkrankungen gezielt therapiert werden.

Untersuchungsmethoden zur Ermittlung der Ursache von Haarausfall

Steht die Diagnose Haarausfall, geht es nun an die Ermittlung der Ursachen. Hierfür stehen dem Arzt folgende Tests und Untersuchungen zur Verfügung:

Das Trichogramm

Durch ein Trichogramm kann der Haarexperte das Verteilungsmuster der Haare bestimmen. So lässt sich feststellen, ob die Haar-Zyklusphase aktuell vermindert oder vermehrt stattfindet. Ärzte können dadurch leichter die mögliche Ursache für Haarausfall diagnostizieren. Damit sich ein Trichogramm durchführen lässt, dürfen die Patienten ihre Haare zwei Wochen vor der Untersuchung nicht mehr färben. Die Haare sollten zudem vorher mindestens fünf Tage nicht gewaschen werden.

Der Mediziner entnimmt für ein Trichogramm circa 50 bis 70 Haare oberhalb der Stirn. Mithilfe der mikroskopischen Untersuchung lassen sich anschließend Informationen über den Haarschaft, die Haarwurzeln sowie das Haarwachstum ermitteln. Normalerweise sind zwischen 80 und 85 Prozent aller Haare Anagenhaare (Wachstumsphase), zwischen 0,5 und 1 Prozent Katagenhaare (Übergangsphase) und zwischen 15 und 20 Prozent Telogenhaare (Ruhephase). Durch ein Trichogramm lässt sich meistens eine Probebiopsie verhindern.

Innovatives Tricho-Scan-Verfahren

Der Trichoscan ist derzeit die modernste Methode zur Haardiagnostik/Haaranalyse bei Haarausfall, eine Kombinations-Untersuchung von Computer-Foto-Software. Im Rahmen dieser innovativen Untersuchungsmethode lässt sich auf der Kopfhaut, unmittelbar am lebendigen Haar ermitteln, ob krankhafter Haarverlust vorliegt und wie weit dieser fortgeschritten ist sowie welche Therapie Erfolg haben könnte.

Der Trichoscan hat gegenüber dem Trichogramm deutliche Vorteile: Die Methode verursacht keine Schmerzen, die untersuchten Bereiche bleiben fast unsichtbar und das Ausreißen der Haare entfällt. Es besteht kein Haarwaschverbot, die Methode ist äußerst exakt, die Ergebnisse sind realistisch und somit eine Basis für optimale Behandlungen. Die Ergebnisse lassen sich zudem nach Wochen/Monaten objektiv vergleichen.

Innovatives Tricho-Scan-Verfahren

Bei der Kopfhaut-Biopsie erfolgt die Gewebeentnahme aus der Kopfhaut unter lokaler Betäubung. Es wird dabei ein ungefähr vier Millimeter großes Stück Kopfhaut samt Haarwurzeln mithilfe eines chirurgischen Stanzgerätes entnommen. Hierbei ist wichtig, dass die ausgestanzte Fläche das Krankheitsbild deutlich erkennen lässt. Es ist zum Beispiel nicht sinnvoll, eine Hautfläche zu entnehmen, die verödete Haarwurzeln enthält. Idealerweise liegt die Entnahmestelle am Grenzbereich zwischen Normalhaut und Alopezie. Die Hautprobe muss zudem über eine ausreichende Tiefe verfügen – das Stanzgerät sollte also bis in das Unterhautgewebe vordringen. Die Biopsieprobe wird anschließend mikroskopisch im Labor untersucht. Dabei werden unter anderem die Struktur und Anzahl der Haarfollikel sowie die umgebende Haut untersucht.

Eine Kopfhaut-Biopsie wird normalerweise angewendet, wenn sich durch den Einsatz anderer Untersuchungen bisher keine genaue Ursache der Erkrankung beziehungsweise des Haarausfalls feststellen ließ. Die Entscheidung für eine Kopfhaut-Biopsie sollte zudem ernsthaft überlegt werden, da stets eine geringfügige Narbe zurückbleibt. Notwendig wird diese Untersuchungsmethode, wenn zum Beispiel entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut vermutet werden (beispielsweise bei Pilzbefall). Die Kosten hierfür übernehmen natürlich die Krankenkassen.

Kosten einer Haaranalyse

Die genannten Untersuchungen bei vermehrtem Haarausfall sollten grundsätzlich nur auf Empfehlung beziehungsweise in Absprache mit einem Hautarzt/Facharzt durchgeführt werden. Sind die Untersuchungsmethoden medizinisch begründet, werden die Kosten normalerweise von den Ersatzkassen übernommen.

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