Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
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Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Kreisrunder Haarausfall tritt sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Hier informieren wir Sie über Ursachen, Verlauf und Behandlung der Alopecia areata.

Kreisrunder Haarausfall: Ursache für den Haarverlust

Der Kreisrunde Haarausfall ist nach dem genetisch bedingtem Haarausfall bei Männern und Frauen die zweithäufigste Form des Haarverlustes. Schätzungsweise sind 1,3 – 1,5 Million Deutsche von Alopecia Areata betroffen. Anders als beim anlagenbedingten Haarverlust ist hier von der medizinischen Forschung jedoch bislang keine exakte Ursache definiert worden.

Der Krankheit zugrunde liegt vermutlich eine Störung des Immunsystems. Das Abwehrsystem des Körpers (T-Zellen) zerstört das eigene Gewebe, weil es irrtümlicherweise für Fremdgewebe. Hierdurhc wird ein Entzündungsprozess ausgelöst, der zum Stillstand des Haarwachstums und somit zum Haarausfall führt. Die Haarfollikel bleiben jedoch erhalten, auch wenn im akuten Stadium keine neuen Haare nachwachsen.

Ob die Immunsystemstörung erblich ist, wurde von der Forschung bislang noch nicht hinreichend untersucht, auch wenn es zahlreiche Fälle gibt, in denen der kreisrunde Haarausfall bei mehreren Mitgliedern einer Familie auftritt. Dass der Ausbruch der Krankheit psychosomatisch, etwa durch Stress, Depressionen oder persönliche Schicksalsschläge sowie Vergiftungen (etwa durch Zahngifte, wie beispielsweise Amalgam, Quecksilber, Palladium) begünstigt wird, ist wahrscheinlich. Doch auch hier fehlen bislang aussagekräftige Studien.

Fakt ist aber, dass das Krankheitsbild des kreisrunden Haarausfalls schon vor mehreren tausend Jahren auftrat. Überlieferungen der sogenannten „Alopekia“ sind bereits sowohl aus dem ägyptischen als auch aus dem römischen und griechischen Altertum erhalten.

Verlauf des kreisrunden Haarausfalls

Beim kreisrunden Haarausfall entstehen bei mehr als 80% der Betroffenen -wie der Name bereits andeutet- kreisförmige oder ovale kahle Stellen, die sich vergrößern und auch vermehren können. Die ersten kahlen Stellen treten idR im Bereich des Hinterkopfes auf und haben einen Durchmesser von einem halben bis zwei Zentimetern. Bei Männern kommt aber auch kreisrunder Haarausfall am Bart vor. Die kahlen Stellen werden im Laufe der Zeit größer, bis sie nach zwei bis drei Monaten ihre finale Größe von 3-4 Zentimetern Durchmesser erreicht haben. Bei mehreren kahlen Stellen in unmittelbarer Umgebung kann es aber vorkommen, dass sich die Herde verbinden und der Haarausfall somit größere Areale einnimmt.

Diese Form des Haarausfalls kann Männer und Frauen gleichermaßen betreffen und tritt häufig bereits in jungen Jahren erstmalig in Erscheinung. Ab dem 50. Lebensjahr tritt der kreisrunde Haarausfall nur noch selten auf.

Der Schweregrad der Alopecia areata wird wissenschaftlich in die Stufen I bis IV unterteilt:

Alopecia areata unilocularis: 1 Stelle ist betroffen
Alopecia areata multilocularis: mehrere Stellen sind betroffen
Alopecia areata subtotalis: nahezu das gesamte Kopfhaar fällt aus
Alopecia areata totalis: kompletter Verlust des Kopfhaars
Alopecia areata universalis: Ausfall aller Körperhaare (auch Augenbrauen, Wimpern, Bart, Schambehaarung etc.)

Die empfindlichen Haarzwiebeln sind dabei von entzündeten Zellen umgeben, die das Haarwachstum behindern. Schmerzen oder ein Juckreiz besteht jedoch nicht. Die Follikel sterben jedoch nicht vollständig ab. So kommt es auch, dass einzelne kahle Stellen häufig ohne Einsatz eines speziellen Haarwuchsmittels oder medikamentösen Zutuns von allein wieder zuwachsen.

Selten kommt es zum Verlust der gesamten Kopfhaare (Alopecia areata totalis) oder sogar der gesamten Körperbehaarung (Alopecia areata universalis).

Im Gegensatz zum Narbigen Haarausfall sind bei der Alopecia areata weder Vernarbungen noch Gewebeschwund auf der Kopfhaut feststellbar. Jeder dritte Betroffene klagt allerdings über andere Störungen des Immunsystems wie z.B. ein Jucken oder Brennen auf der Kopfhaut (z.B. beim Kämmen der Haare), was vor allem zu Beginn der Krankheit auftritt.

Bei ca. 20% der Betroffenen kommt es zudem zu Veränderungen an den Fingernägeln, z.B. in Form von Querrillen, Eindellungen oder Grübchen (sog. Tüpfelnägel).

Kreisrunder Haarausfall – Was tun?

Beim kreisrunden Haarausfall stehen die Chancen auf eine Spontanheilung bei etwa 80% der Betroffenen gut. Kreisrunder Haarausfall tritt oft nach außergewöhnlichen psychischen Belastungen wie Trauer, Schocksituationen oder Stress auf. Werden diese Probleme gelöst und verarbeitet, wachsen die kreisrunden kahlen Stellen häufig von allein wieder zu.

Zudem schlagen auch die entsprechenden Therapien gut an, die zwar nicht die Ursache des Haarausfalls (da diese wie oben erläutert noch nicht hinreichend erforscht ist), dafür aber die Symptome wirksam behandeln.

Ähnlich wie bei anderen Formen des Haarausfalls sei auch bei der Alopecia areata dringend empfohlen, die Behandlung frühzeitig zu beginnen, um das Haarwachstum wieder zu erlangen und einen vollständigen Abheilungsprozess zu erreichen.

Folgende Haarwuchsmittel für Frauen bzw. Haarwuchsmittel für Männer finden in der Behandlung üblicherweise Anwendung:

Cortison
Gerade bei geringfügigem Haarausfall wird häufig mit topischen Steroiden wie Cortison Salben therapiert. Dabei wird das die Haarwurzeln angreifende Immunsystem in einem lokalen Bereich deaktiviert und kann somit den Haaren keinen Schaden mehr zufügen. Da der Einsatz des Hormons zahlreiche Nebenwirkungen (u.a. dauerhafte Verdünnung von Haut und Hautbindegewebe, Rosazea, Hautallergien) hervorrufen kann, ist die Anwendung stets in Absprache mit einem Hautarzt durchzuführen.

Zusätzlich zur Cortison Behandlung raten Ärzte oft zu einer parallelen Zinktherapie. Durch die Einnahme von Präparaten mit Zinksulfat, Zinkorotat, Zinkgluconat oder Zinkaspartat wird das Immunsystem gestärkt, was sich wiederum positiv auf den kreisrunden Haarausfall auswirkt. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Zinkaspartat idR zu guten Erfolgen führt. Vor der Zinktherapie sollte aber ebenfalls ein Arzt konsultiert und eine Blutuntersuchung angeregt werden.

Thymuskin
Thymuskin ist in Apotheken als Shampoo und Haarkur erhältlich. Mehrere Studien haben die Wirkung des Haarwuchsmittels bestätigt. Innerhalb von 9-12 Monaten wurde bei 65% der Patienten mit kreisrundem Haarausfall ein deutliches Haarwachstum erreicht. Die Anwendung ist simpel und erfolgt täglich: nachdem die Haare mit warmen Wasser gespült worden sind, wird das Thymuskin Shampoo einmassiert und nach einer Einwirkzeit von 1-2 Minuten ausgespült. Anschließend wird die Haarkur in das handtuchtrockene Haar gegeben.

Erste sichtbare Erfolge treten idR bereits nach ca. 3 Monaten ein, nach 9 Monaten beginnt der Nachwuchs der neuen Haare. Da die Anwendung von Thymuskin nur symptomorientiert ist und nicht die Ursache des kreisrunden Haarausfalls bekämpft, muss auch diese Therapieform langfristig angelegt werden. 2-3 mal pro Woche sollte das Haarwuchsmittel daher auch dann angewendet werden, wenn die Haare komplett wieder nachgewachsen sind.

Reiztherapie (DCP)
Eine Reiztherapie oder topische Immuntherapie empfiehlt sich nur für schwerwiegende Fälle des kreisrunden Haarausfalls. Ziel der Reiztherapie ist es, Kontaktallergene zu erzeugen und damit die Kopfhaut zu reizen. Hierfür wird eine chemische Substanz auf die Kopfhaut aufgetragen, was einen Kontaktekzem auslöst. Das Immunsystem konzentriert sich anschließend auf das Ekzem und unterlässt die Aggression gegen die Haarfollikel. Somit wird ein neues Haarwachstum möglich.

Wichtig ist, dass das die Behandlung von einem erfahrenen Hautarzt bzw. in einer Hautklinik durchgeführt wird. Da die verwendeten chemischen Substanzen (idR DCP (Diphenylcyclopropenon)) nicht offiziell für die Therapie der Alopecia areata zugelassen sind, ist die schriftliche Einwilligung der Patienten erforderlich. Da mögliche langfristige Nebenwirkungen (hartnäckige Ekzeme etc.) noch nicht zur Genüge erforscht sind,

Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen: bei mehr als 50% der Patienten mit kompletten Haarausfall schlug die Reiztherapie an und innerhalb von 3 Monaten war ein Haarwachstum sichtbar. Auch hier ist eine langfristige Therapie, unter Umständen ein Leben lang, vonnöten.

Bildquelle: Vielen Dank an fresnel6 für das Bild (© fresnel6 / Fotolia).

2 Gedanken zu „Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

  1. Fabian Schulz

    Hallo 🙂
    erstmal: Super Site! Ich bin auch von kreisrundem Haarausfall betroffen und es ist wirklich nicht schön!

    Was mir hilft um etwas darüber hinwegzukommen ist Schütthaar bzw. Streuhaar – löst zwar das Problem nicht, aber ich fühle mich unter Leuten sicherer!

    VG

    Fabian

    Antworten

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